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Hit­liste

„Was ist das schönste, was Du auf Deiner Reise gesehen hast?“ ist eine immer wieder gehörte Frage, und natürlich hat sie keine Antwort. Auf dieser Seite will ich aber trotzdem, nach Kategorien geordnet, einige meiner Lieblingsorte aufzählen; das kann man natürlich auch als eine sehr persönlich gefärbte Liste von Reiseempfehlungen werten.

Groß­städte

Maharaja-Standbild in Mysore (Indien/Südindien/Karnataka)

Vor dem beleuchteten Palast von Mysore

Asok-Binayak-Schrein in Kathmandu (Nepal/Kathmandu-Tal)

Schrein (Asok Binayak) in Kathmandu

In Indien sind größere Städte meist schwer zu er­tragen: Zu laut, zu schmutzig und rund­herum de­moti­vierend. Richtig an­genehm finde ich jedoch Amda­vad und Mysore, und natürlich meine Traum­stadt schlecht­hin, Kathmandu, wo ich mehrere Male war.

Städte

Anglikanische Kirche in Galle (Sri Lanka/West- und Südküste)

Anglikanische Kirche in Galle

Altstadt von Srinagar (Indien/Westliches Nordindien/Jammu & Kaschmir)

Altstadt von Srinagar

Bahauddin in Junagadh (Indien/Westliches Nordindien/Gujarat)

Mausoleum in Junagadh

Viele Städte mitt­lerer Größe (also wenige Lakh) haben eine aus­gepräg­te und indivi­duelle Atmo­sphäre, die sich ge­wöhnlich aus der Lokal­geschichte ergibt. Zu meinen Lieblings­orten gehören Juna­gadh, Tiru­chira­ppalli, Bhopal und sogar das touri­stisch sonst eher wenig beliebte Jammu.

Unter den sri­lankani­schen Städten sticht Galle wegen seinder histori­schen Atmo­sphäre ganz besonders hervor. Die Berg­stadt Kandy hat eine hohe Dichte an reli­giösen und land­schaft­lichen Sehens­würdig­keiten und ein erbau­lich freund­liches Ambiente zu bieten.

Umgekehrt gibt es auch Städte, die einfach nur mächtig auf den Geist gehen; allen voran Jaipur, das leider auch sehr viele schöne Sehens­würdig­keiten anbietet und deshalb fast zwangsweise besucht werden muß; aber die betrügerischen und dabei ziemlich schleimigen Einheimischen vermiesen den Aufenthalt. Dasselbe gilt leider auch für das nicht weniger sehens­werte Srinagar, das ich wegen seiner traumhaften Lage und seiner hochinteressanten Sehens­würdig­keiten immer wieder besuche, obwohl jeder in der Tourismus-Industrie Tätige nichts unversucht läßt, um mich rasch wieder wegzuekeln.

Dörfer

Adinath Mandir Jain-Tempel in Ranakpur (Indien/Westliches Nordindien/Rajasthan)

Im Jain-Tempel von Ranakpur

Leuchtturm in Gopalpur (Indien/Zentralindien/Orissa)

Leuchtturm von Gopalpur

Virupaksha Devalaya Hindu-Tempel in Hampi (Indien/Südindien/Karnataka)

Ruinen und Tempel in Hampi

In Indien ist es durch­aus möglich, daß winzige Dörfer mit ein- oder zwei­tausend Ein­wohnern mit hoch­karätigen Sehens­würdig­keiten locken — oft wechseln das Kriegs­glück oder die politi­sche Wetter­lage und ent­völkern ehe­malige Haupt­städte. Das klassi­sche Bei­spiel dafür ist Hampi in Süd­indien: Das Dorf mit knapp 1000 Ein­wohnern (und 10000 Bet­ten) steht am Platz einer im 16. Jahr­hundert zerstörten Millionen­stadt. Auch Mandu und Orcha waren einmal Haupt­städte von kleinen aber reichen Fürsten­tümern und sind heute auf ähnlich winzige Größe geschrumpft.

Oft findet man auch signi­fi­kante Tempel (oder Tempel­ruinen) inner­halb sehr kleiner Orte. Der pracht­volle Sonnen­tempel von Konark, der „Mais­tempel“ von Somnath­pur oder der einzig­artige Doppel­tempel von Halebid sind solche Exem­plare, und der unfaßbar schöne Jain-Tempel von Ranakpur muß sogar ganz ohne ein asso­ziier­tes Dorf auskommen.

Ein Dorf ganz ohne Sehens­würdig­keiten, aber mit einer lieblich–freund­lichen Atmo­sphäre und einem wohl­riechen­den High­light ist Gopalpur, das zwar von einer Hand­voll bade­freudiger Inlands­touristen, aber so gut wie nie von Aus­ländern besucht wird.

Historische Sehens­würdig­keiten

Dhamek-Stupa buddhistisches Monument in Sarnath (Indien/Zentrales Nordindien/Uttar Pradesh)

Stupa in Sarnath

Jagadambi Mandir Hindu-Tempel in Khajuraho (Indien/Zentralindien/Madhya Pradesh)

Tempelfassade in Khajuraho

Harappa-Kultur Warenhaus in Lothal (Indien/Westliches Nordindien/Gujarat)

Bronzezeitliches Warenhaus in Lothal

Wirklich Al­tes ist in Indien nur sel­ten zu sehen; kaum eine Struktur ist 2000 Jahre alt, da die wechsel­hafte und meist krie­ger­ische Ge­schich­te des Sub­kontinents (und die prag­matische Natur seiner Be­wohner) dem Alter von Ge­bäuden eine natür­liche Grenze setzt. Aus­genom­men sind na­tür­lich die Aus­grabun­­;gen der Industal­zeit (Lothal), und ver­einzelt haben alte buddhisti­sche Stupas die Jahr­tausende über­lebt oder sind re­stau­riert (Kushi­nagar, Sar­nath und Lumbini in Nepal).

Die oft ge­hörte Be­haup­tung, dieser oder jener Tempel sei 5000 Jahre alt, darf nicht ernst­genom­men werden; vor 5000 Jahren gab es in Indien keine hin­duisti­sche Reli­gion, kein Sanskrit, keine Arier und daher auch ganz be­stimmt keine Vishnu- oder Shiva­tempel. Daß irgend­welche Strukturen aus dieser Zeit über­lebt haben oder gar kon­tinuier­lich als Kult­stätten wechseln­der Reli­gionen genutzt wurden, ist äußerst unwahrscheinlich.

In der Re­alität kann man nord­indi­schen Tem­peln ein Alter von eini­gen Jahr­hunderten bis zu etwa einem Jahr­tausend zu­schreiben; die Tempel­gruppe von Khajurāho er­reicht ziem­lich genau dieses Limit. Im Süden reicht der Hori­zont weiter zurück, bis maximal 1500 Jahre. Natür­lich ist es immer möglich, daß ein Tempel am Ort einer älteren Kult­stätte errichtet wurde, aber in diesem Fall verbleibt vom Vor­gänger­tempel im all­gemeinen exakt nichts. Manch­mal wird be­hauptet, daß ein Kult­bild wesent­lich älter sei als der darum­gebaute Tempel (besonders von Lingams hört man das häufig); das ist natürlich denk­bar, aber der purani­sche Hinduis­mus mit dem Kult der heutigen Hindu-Gott­heiten ist keine zwei­tausend Jahre alt, und vedische Tempel hatten meines Wissens keine Kultbilder.

Maligawila Buddha-Statue in Moneragala (Sri Lanka/Süden)

Ein Buddha steht im Wald nahe Monaragala

Vishnu mit Maiskolben am Keshwava Devalaya Hindu-Tempel in Somanathapura (Indien/Südindien/Karnataka)

Statue in Somanatha­pura

In Süd­indien gibt es eine Anzahl mehr als tau­send­jähri­ger Tem­pel, die heute noch in Betrieb sind (siehe unten); außer­dem stehen in Mamalla­puram gran­diose Höhlen- und Felsen­tempel, und die eben­falls „toten“ Hoysala-Tempel in Somnath­pur und Halebid gehören zum Schönsten, was ich in Indien ge­sehen habe. Masse und Klasse findet man in der Ruinen- und Tempel­stadt Vijaya­nagara, deren Platz heute vom Dorf Hampi ein­genommen wird.

Die 'vielen Paläste in Raja­sthan sind selten älter als 300 Jahre und in den meisten Fäl­len wieder­holt um­gebaut. Mogul­ische Paläste rei­chen bis ins 16. Jahr­hundert, im Fall von Grab­mälern und Moscheen even­tuell noch weiter, zurück. Die äl­teste Palast­analage, von der man heute noch etwas sehen kann, habe ich in Hampi gefunden.

In Nepal gibt es abgesehen von den archäologischen Resten in Lumbini keine „historischen“ Stätten; alles ist dort lebende Kultur, auch wenn es tausend Jahre alt ist. Das ist ein Grund, weshalb das Kathmandu-Tal der für mich schönste Ort Südasiens ist.

Durch un­geschickte Reise­planung habe ich die meisten der histori­schen Stät­ten in Sri Lanka leider nicht be­su­chen kön­nen; aber zum­indest in der Um­gebung von Kandy und vor allem im völlig unter­bewerte­ten Mona­ragala konnte ich ein paar ein­drucks­volle Zeugen der sinhale­sischen Ge­schichte vor die Kamera bekommen.

Jahaz Mahal (Schiffspalast) Sultan-Palast in Mandu (Indien/Zentralindien/Madhya Pradesh)

Palastruine in Mandu

Durbar Square (Palastplatz) mit Tempeln in Kathmandu (Nepal/Kathmandu-Tal)

Hauptplatz in Kathmandu

Paläste

Rajasthan kann un­zähli­ge Erb­stücke aus der Raj­puten-Zeit vor­weisen; während Grab­bauten oft gut er­halten sind, machen viele Paläste einen jämmer­lich herunter­gekommen Ein­druck. Die wich­tigste Aus­nahme dazu ist Jodh­pur, aber auch in Jaipur, Udaipur und Bundi bekommt man noch einen guten Ein­druck des ver­gange­nen Glanzes. Wunder­schöne muslimi­sche Palast­anlagen im Ruinen­zustand kann man in Mandu be­wundern, und einen un­glaublich roman­tischen Wasser­palast findet man ganz am Ende Indiens nahe Agar­tala. Natür­lich sind auch die moguli­schen Bauten in Delhi und Agra zu erwähnen.

Nepalische Paläste sind meist nur von außen zu­gäng­lich; aber selbst das lohnt eine weite An­reise. Die Tempel- und Palast­komplexe im Zentrum von von Kath­mandu, Patan und Bhakta­pur muß man gesehen haben!

Auch Süd­indien hat seine Paläste; der Star ist natür­lich der relativ mo­derne Palast von Mysore, aber auch der muslimi­sche Chowma­halla in Hydera­bad zeugt von Prunk und Protz ver­gangener Zeiten; beide sind heute noch in bewohn­fähigem Zustand.

Forts

Fort in Chittaurgarh (Indien/Westliches Nordindien/Rajasthan)

Fort von Chittaur

Mauern des Forts von Kumbhalgarh (Indien/Westliches Nordindien/Rajasthan)

Fort von Kumbal­garh

Vor allem im Nordwesten mit seiner unruhigen politischen Lage sind viele Städte rund um einen befestigten Hügel errichtet. Die Befestigungs­anlagen umfassen standard­mäßig massive Mauern, Wehr­türme und schwere Tore; im Inneren steht meist ein Palast. Häufig ist der ummauerte Bezirk jedoch groß genug, daß eine kleine Stadt hineinpaßt. Manche dieser Forts stehen heute weitgehend leer; andere bilden immer noch den Stadtkern.

Das schönste derartige Fort ist das von Chittaur; aber auch Delhi, Jaisalmer, Golkonda und Agra können punkten. Ein gut erhaltenes Fort außerhalb der Stadt findet man in Amber nahe Jaipur. Der herausragende Gewinner unter allen indischen Forts ist jedoch Kumbhalgarh, eine riesige Anlage in einem fast menschenleeren, unwirtlichen Gebirge weitab von größeren Ansiedlungen.

Sakralbauten

Was wäre Indien ohne seine Tempel, Mausoleen und Moscheen? Hier findet jeder, was er schätzt: Architektur, Bildhauerkunst oder Erleuchtung.

Moscheen

Shah Hamadan Hanka Sufi-Moschee in Srinagar (Indien/Westliches Nordindien/Jammu & Kaschmir)

Sufi-Moschee Srinagar

Hoshang Shah Maqbara muslimisches Grabmal in Mandu (Indien/Zentralindien/Madhya Pradesh)

Marmor-Mausoleum in Mandu

Wirklich schöne Moscheen findet man in Srinagar (wo ich zweimal war) und, auf den ersten Blick überraschend, in Ahmadabad. Dagegen finde ich die berühmte Rote Moschee von Delhi eher zu groß und zu klotzig. Nicht mehr genutzte, historische Moscheen mit schöner Architektur gibt es in Mandu und Ajmer in Rajasthan.

Muslimische Herrscher ließen sich oft in schönen Mausoleen bestatten, auch wenn die meisten davon heute leerstehen. Die bizarrsten Mausoleen Indiens zerkrümeln relativ unbeachtet von der Öffentlichkeit in Junagadh, die romantischsten findet man in der menschenleeren Umgebung von Mandu und die südlichsten in Srirangapatnam.

Wirklich pralles muslimisches Leben kann man nur in Kashmir erwarten; aber viele indische Städte haben muslimische Viertel, in denen sich zumindest ein Schatten islamischer Lebensart findet (allen voran Hyderabad und Bhopal), aber natürlich auch Delhi, Agra und viele weitere).

Buddhistische Tempel und Klöster

Buddhistisches Kloster mit Tempel in Dharamsala (Indien/Westliches Nordindien/Himachal Pradesh)

Buddhistischer Tempel in Dharamsala

Buddha-Statue in Gorakhpur (Indien/Zentrales Nordindien/Uttar Pradesh)

Antike Buddha-Statue in Kushinagar

Im indischen Hauptland gibt es eigentlich nur historische buddhistische Sehens­würdig­keiten, allen voran die Vier Stationen im Leben des Buddha (Lumbini knapp jenseits der Grenze zu Nepal, Bodhgaya, Sarnath, Kushinagar); außerdem noch das Ruinenfeld von Sanchi und einige weitere, unbekanntere Stätten in Bihar, die auf meiner Wunschliste stehen.

Lebendigen Buddhismus findet man im indischen Himalaya, vor allem im traumhaft schönen Ladakh, das ich bereits zweimal vergeblich erreichen wollte; außerdem lohnt natürlich noch das friedlich–freundliche Dharamsala einen (auch zweimaligen) Besuch.

Elefant mit Zahnreliquie während Dalada Perahera buddhistisches Fest in Kandy 4 (Sri Lanka/Bergland)

Buddhistisches Fest in Kandy

Goldener Sikh-Tempel (Harimandir Sahib) in Amritsar (Indien/Westliches Nordindien/Punjab)

Goldener Tempel von Amritsar

Boudhnath-Stupe nahe Kathmandu (Nepal/Kathmandu-Tal)

Tibetischer Stupa in Bouddhanath

Interesanter in dieser Beziehung ist aber Nepal, da der Buddhismus hier viel lebendiger geblieben ist. Am berühmtesten sind die beiden großen tibetischen Kultstätten in Boudhnath und Swayambhunath, aber eigentlich findet man überall im Kathmandu-Tal irgendetwas Buddhistisches, am einfachsten natürlch in der Hauptstadt selbst.

Die großen buddhistischen Heligtümer von Sri Lanka mußten leider kurzfristig ausfallen (das kommt davon, wenn man den Höhepunkt ans Ende legen will); besonders tut es mir um Anuradhapura und Polonnaruwa leid. Dafür war ich mehrere Male in Kandy mit seinem Zahntempel und vielen kleineren Sehens­würdig­keiten in der Umgebung; nicht verpassen sollte man die unfaßbare Perahera.

Sikh-Tempel

Wer die Sikhs sehen will, der muß natürlich nach Amritsar; kleinere Gurudwaras findet man zwar überall im Nordwesten (z. B. in Rewalsar), aber das Original ist eben das Original und garantiert einer der großartigsten spirituellen Plätze der Welt.

Hindu-Tempel und Pilgerorte

Tanzhalle Mandapam im Ekambaranathar Tirukoyil Hindu-Tempel (Shiva) in Kanchipuram (Indien/Südindien/Tamil Nadu)

Tanzhalle in einem Tempel in Kanchipuram

Manakarnika Verbrennungs-Ghat in Varanasi (Indien/Zentrales Nordindien/Uttar Pradesh)

Verbrennungs-Ghat ind Varanasi

Surya Mandir Hindu-Tempel Sonnentempel von Konark (Indien/Zentralindien/Orissa)

Sonnentempel von Konark

Nordindische Tempel­architektur ist zwar schön, aber wegen ihrer Homogenität auch recht langweilig. Tempel mit einzigartiger Architektur wird man nicht oft finden (Konark iste eine rühmliche Ausnahme), und so beeindrucken die vielen „Tempelstädte“ wie Bhubaneshwar, Jammu, Mandi, Cittauṛ und auch Varanasi eher mit Masse als mit Klasse. Auch die Tempel von Khajurāho beziehen ihre Attraktivität aus der einzigartigen Bildhauerkunst und nicht aus ihrem Bauplan.

Südindische Tempel haben dagegen oft eine ausgeprägte architek­tonische Individualität. Die schönsten Exemplare findet man in Tamil Nadu, und ich halte das völlig untouristische Kañjipuram für die schönste Tempelstadt Indiens, mit mehreren Tempeln unterschiedlicher Stile. Herausragend schöne Einzelstücke findet man unter anderem in Belur, Madurai und Trichy.

Hinduistische Pilgerorte Nordindiens verdanken ihre Heiligkeit im allgemeinen einem besonderen, legendären Ereignis, das sich dort abgespielt hat; die Tempel sind dann eher der Ausdruck einer bestehenden Heiligkeit, und nicht deren Ursache. Diese Orte zeigen oft eine bizarre Mischung aus Religiösität und Geschäftemacherei, und dadurch wirken sie zugleich faszinierend und abstoßend. Kurzum: Das muß man gesehen und erlebt haben. Die wohl unbestritten heiligste Stadt Indiens ist Varanasi, mit allen Vor- und Nachteilen. Ein anderer bei Ausländern beliebte Ort zum “Guru-Shopping” ist Puri, und auch rund um die historischen Tempel von Khajuraho hat sich eine entsprechende Szene entwickelt.

Janaki-Tempel für Sita in Janakpur (Nepal/Tarai)

Hindu-Tempel in Janakpur

Hindu-Tempel in Jaffna (Sri Lanka/Norden)

Ein farbenfroher Tempel in Jaffna

Elefanten im Venkateshvara-Tempel von Tirupati (Indien/Südindien/Andhra Pradesh)

Elefanten in Tirupati

Die großen Tempel­komplexe in Orissa und Süd­indien ziehen eben­falls viele Pilger an. Die Pilger­schaft zum Venkat­eshwara-Tempel in Tirupati wird täglich von vielen zehn­tausen­den (!) Indern angetreten, und das ist wirklich ein Erlebnis.

Kleinere Pilgerorte sind oft ruhiger und entspannender: Jeder liebt Pushkar, und in Dwarka habe ich die einzige Pilgerstadt ohne Nervensägen und Beutelabschneider gefunden. Im Himalaya gibt es eine Anzahl heiliger Höhlen und Berge, die sich nur unter Verzicht auf Bequemlichkeit erreichen lassen und an denen es daher vergleichsweise ruhig zugeht (Shivkhori).

Auf nepalischem Hoheitsgebiet gibt es zwei bedeutende Hindu-Orte: Das grenznahe Janakpur und das etwas mystische Pashupatinath in den Bergen. In beiden geht es dem nepalischen Naturell entsprechend ziemlich gemächlich zu.

Sri Lanka hat im Hinduismus eine besondere Stellung, da es der Schauplatz eines epischen Krieges war, der im Epos Ramayana erzählt wird; Versatzstücke dieser Geschichte kann man nahe Nuwara Eliya besichtigen, aber das wesentliche Zentrum des Hinduismus auf der Insel ist natürlich Jaffna, mit Abstrichen auch noch Trincomalee.

Jain-Tempel

Adinath Mandir Jain-Tempel in Ranakpur (Indien/Westliches Nordindien/Rajasthan)

Jain-Kultbild in Ranakpur

Neminath Mandir Jain-Tempel in Girnar (Indien/Westliches Nordindien/Gujarat)

Jain-Tempel am Girnar-Hügel

Die Jain-Tempel in Rajasthan und Gujarat gehören zum Prächtigsten, was man sich in Indien ansehen kann. Die un­glaub­liche Marmor­architektur der Tempel in Ranakpur und Dilwara kann man am besten mit dem Bonmont „Was Menschen Stein alles antun können“ zusammenfassen.

Theologisch bedeutsamer sind aber Orte, die mit Legenden von Jain-Heiligen verknüpft sind. Herausragend schön ist die Wanderung auf den Girnar-Hügel mit seiner beeindruckenden Synthese von Natur und Kultur. Eine ganz andere, etwas wehmütige Stimmung findet man im südlichsten der Jain-Orte, dem winzigen Sravanabelagola.

Traveller-Paradiese

Altstadt von  Bundi (Indien/Westliches Nordindien/Rajasthan)

Altstadt von Bundi

Gesamtansicht von  Pushkar (Indien/Westliches Nordindien/Rajasthan)

Der Wüstenort Pushkar

Mahisa martini Mandapam Hindu-Tempel für Durga in Mamallapuram (Indien/Südindien/Tamil Nadu)

Höhlentempel in Mamalla­puram

Überall in Indien findet man sie: Die Sammel­stätten der Indivi­dualisten. Wer monate­lang allein durch Indien reist, den zieht es plötzlich in die Gesell­schaft zu anderen, die dasselbe tun, damit man im schicken Restaurant bei „westlichem“ Essen und Trinken Erzählungen über die vielen eigenen Erlebnisse zum Schlechtesten geben kann. Und wo geht das besser als an jenen Orten, wo der Individual­tourismus die längste Tradition hat und wo bereits die Hippies geplaudert, geraucht und gesonstwast haben?

Jeder dieser Orte hat eine individuelle Atmosphäre und hat gewöhnlich auch spezifische, durchaus hochkarätige Sehens­würdig­keiten zu bieten, die damals die ersten Reisenden angelockt haben. Eine merkwürdige Eigenschaft dieser Orte ist, daß sie auch ungewöhnlich billig sind, vor allem bei der Unterkunft; das gilt jedoch nur für Indien und Nepal, denn die srilankanischen Orte dieser Art sind eher Teuerland, was auf die große Anzahl von Kurzzeittouristen in diesem Land zurückzuführen sein dürfte.

In diese Kategorie gehören das liebliche Pushkar, das freundliche Mamallapuram, das kunsthistorisch unbezahlbare Hampi, das putzige Orcha und das friedliche Bundi; unter den größeren Städten kann man noch Varanasi, Jaisalmer und Puri dazuzählen. Ein Sonderfall ist McLeod Ganj, da es hier keine Sehens­würdig­keiten gibt; stattdessen ziehen die tibetische Bevölkerung und der Dalai Lama das Interesse der Europäer an.

Bhimsen Mandir Hindu-Tempel in Bandipur (Nepal/Hills Region)

Nepalischer Tempel in Bandipur

Touri-Kneipe in Ella (Sri Lanka/Bergland)

Touristenfalle in Ella

In Nepal ist der Tourismus ziemlich konzentriert, und alle von Touristen besuchten Orte sind quasi automatisch „Traveller­paradiese“. Das gilt vor allem für die Hauptstadt Kathmandu (wo ich immer wieder gerne hinkomme), aber auch für das in meinen Augen stinkfade Pokhara. Kleine Orte mit einer beschränkten aber angenehmen Traveller-Atmosphäre sind Bandipur und Lumbini.

Die srilankanischen Traveler­paradiese liegen tendenziell am Strand, und ich konnte den meisten davon erfolgreich entkommen; allerdings bietet Negombo einen perfekten Einstieg in des Land. Der schönste Touristenort der Insel ist Ella, ein überraschend freundliches Gebirgsdorf mit vollständig touristischer Ausrichtung.

Bergorte

Überall in Indien ist es heiß — vor allem im Sommer, und deshalb gibt es eine jahrhundertealte Tradition von Sommerfrische-Tourismus. Die Briten perfektionierten dieses System und erschlossen Bergorte mit der notwendigen Verkehrs- und Gastgewerbeinfrastruktur. In manchen Fällen wechselte sogar der ganze Regierungssitz im Sech­smonats­rhythmus, und ein Troß von akten­schlep­penden Büro­kraten zog in die Berge.

Koloniale Kirche St. John in the Wilderness in Dharamsala (Indien/Westliches Nordindien/Himachal Pradesh)

Koloniale Kirche in Dharamsala

Kirche und Teegärten in Kotagiri (Indien/Südindien/Tamil Nadu)

Landschaft um Kottagiri

Hausboote am Dal-See in Srinagar (Indien/Westliches Nordindien/Jammu & Kaschmir)

Hausboote in Srinagar

Teegarten mit Pfefferanbau in Vantiperiyar, nahe Kumily (Indien/Südindien/Kerala)

Tee- und Pfefferplantagen nahe dem Periyar-Nationalpark

Heute werden diese hill stations sowohl von ausländischen als auch von inländischen Touristen gerne besucht, und der ohnehin langen Liste von britischen hill stations gesellen sich immer mehr neue Urlaubsorte hinzu, denn der indische Mittelstand liebt das Reisen. Viele dieser Orte zehren noch vom Flair der Briten und lassen sich das auch gut bezahlen; andere haben religiöse Sehens­würdig­keiten zu bieten.

Zu den bekanntensten authentischen hill stations im Himalaya gehören Shimla und Darjeeling. Auch das heute nur von Ausländern lebende Dharamsala (bzw. sein Tibeter-Viertel McLeod Ganj ist eine britische Schöpfung, allerdings fast ohne historische Bausubstanz. weitere grandiose Bergorte im Himalaya lassen sich leicht finden, etwa das muslimische Srinagar oder das mit Travellern und Ganja verseuchte Manali. Ausgedehnte Regionen mit großem Wohlfühlcharakter durch ihre buddhistischen Bewohner sind Ladakh und Sikkim.

Im Flachland südlich des Himalaya gibt es natürlich keine Bergerholungsorte, allerdings bietet Rajasthan zumindest einen davon, das auf einem kleinen Granitberg gelegene Mount Abu mit seinem prachtvollen Jain-Tempel. Südindien hat mehr davon, und zumindest eine davon (Kottagiri) habe ich besucht. Bergorte ohne Britentradition gibt es natürlich auch, etwa das gewürzreiche Kumily am Rande des Periyar-Nationalparks.

Koloniales Herrenhaus in Nuwara Eliya (Sri Lanka/Bergland)

Koloniales Wohnhaus in Nuwara Eliya

Reisterrassen in Hile (Nepal/Hills Region)

Reisterrassen nahe Hile

Presbyterianer-Kirche in Shillong (Indien/Östliches Nordindien/Meghalaya)

Presbyterianische Kirche in Shillong

Im Nordosten Indiens ist alles außerhalb von Assam gebirgig. Das quirlige Shillong lohnt die anstrengende Anreise mit Natur, Historie, Kultur und einer einzigartig freundlichen Bevölkerung. Auch die Naga-Hauptstadt Kohima ist eine britische hill stations und bietet ähnliche Erlebnisse, multipliziert mit einer charmanten Rückständigkeit.

Das gebirgige Zentrum Sri Lankas ist prall gefüllt mit grüner Natur und buddhistischen, mitunter auch hinduistischen Sehens­würdig­keiten. Das noble Nuwara Eliya ist mir persönlich zu langweilig, aber Ella ist einfach entzückend.

Nepal kennt keine hill stations, die ja eher etwas für städtische Flachländer als echte Gebirgsbewohner sind. Trotzdem gibt es viele kleine Bergorte mit beschränktem Tourismus-Angebot; mein Liebling ist eindeutig Hile, und Bandīpur sollte man auch noch erwähnen. Das Kathmandu-Tal ist eindeutig zu stark urbansiert, um in diese Kategorie zu fallen, aber ich muß trotzdem erwähnen, daß es meine Lieblingsgegend in Südasien ist.

Geheimtips

Ochsenbrunnen nahe Kumbhalgarh (Indien/Westliches Nordindien/Rajasthan)

Ochsen-Ziehbrunnen nahe Kumbal­garh

Blumenverkäufer an einem Tempel in Gorkha (Nepal/Hills Region)

Verkäufer an einer Tempelmauer in Gorkha

Eingangstor zum Chennakeshava Devalaya Tempel in Beluru (Indien/Südindien/Karnataka)

Tempeleingang in Belur

Gomateshwara-Statue und Jain-Priester Purohita in Sravanabelagola (Indien/Südindien/Karnataka)

Jain-Priester in Sravana­belagola

Gibt es in Indien überhaupt noch Orte ohne (Aus­länder-)Touris­mus? Sammeln sich nicht die unzähligen Touristen um die sehenswerten Stätten? Und kann denn das, was von den Massen unberührt geblieben ist, trotzdem interessant sein? Die Antwort ist dreimal Ja.

Indien hat so viele höchs­tkarätige Sehens­würdig­keiten, daß vieles Sehens­werte die touristische Wahr­nehmungs­schwelle kaum erreicht — aus verschiedensten Gründen. Manches wird von nahegelegenen bekannten Orten überlagert, jedenfalls kann ich es mir nicht anders erklären, weshalb kaum jemand die prachtvollen Hoysala-Tempel von Somanathapura, Belur und Halebidu besichtigt; oder das verschlafene Jain-Nest Sravanabelagola; oder die unglaublich atmosphärische Tempelstadt Kanchipuram.

Auch der Norden hat seine touristenleeren Flecken, sogar im touristischen Kernland Rajasthan: Das monumentale Fort von Kumbhalghar und der unfaßbare Tempel von Ranakpur sind nur wenigen die mühsame Anreise wert, und selbst Chittorgarh ist bei Ausländern weitgehend unbekannt. Auch das nahe Mandu hätte mehr Besucher verdient.

In Nepal bleiben freundliche Bergstädte wie Hile, Gorkha oder Tansen weitgehend unbesucht, weil die Touristen alle wo anders sind. Und in Sri Lanka will niemand in das extrem sehenswerte Monaragala; auch Jaffna war ziemlich verlassen, aber das ist wohl dem erst kürzlich beendeten Krieg geschuldet.

Hindu-Asketen (Sadhu) am Strand von Dwarka (Indien/Westliches Nordindien/Gujarat)

Sadhus am Strand von Dvarka

Varaha (Eber-Inkarnation von Vishnu) am Rani ki Waw in Patan (Indien/Westliches Nordindien/Gujarat)

Götterstaue in Patan

Wasserpalast Neer Mahal in Melaghar nahe Agartala (Indien/Östliches Nordindien/Tripurā)

Wasserpalast Nir Mahal nahe Agartala

Sidi Sayad ni Jali Moschee mit durchbrochenem Fenster, in Ahmadabad (Indien/Westliches Nordindien/Gujarat)

Kunstvolles Fenster einer Moschee in Amdavad

Nordindien, besonders der Westen, ist touristisch ziemlich abgegrast, aber trotzdem zieht der Troß un­verständ­licher­weise am nord­westlichen Bundesstaat Gujarat vorbei. Dabei ist Gujarat kaum weniger sehens­wert als das überlaufene Rajasthan, liegt gleich nebenan und wird von höchst angenehmen Menschen bewohnt. Warum? Keine Ahnung.

In Gujarat kann man moslemisches Flair in Amdavad genießen, erst­klassige archäo­logische Sehens­würdig­keiten in Patan und Modhera bestaunen, sich in Dwarka am einzigen nepp­freien Pilgerort Nord­indiens erfreuen und das un­vergleich­lich exotische Junagadh erkunden. Wunderbar schön war auch Bhuj, aber ich habe es seit dem großen Erdbeben 2001 nicht mehr gesehen. Touisten? Fehlanzeige.

Die beschriebenen Orte werfen keine logistischen Probleme auf: Sie sind verkehrsmäßig gut erschlossen, bieten eine hinreichende Hotel-Infrastruktur und sind auch ineinschlägigen Reiseführern durchaus ausführlich beschrieben. Viele Touristen haben eben eine ausgeprägte Herdenmentalität, und eigenartigerweise sind auch die sogenannten „Individualtouristen“ keineswegs frei davon.

Auch der Nordosten ist touristisch „tote Zone“. Und das, obwohl man dort die freundlichsten Inder trifft, Kulturen weit abseits des indischen Mainstreams kennenlernt und höchst ausgefallene und unindische Küche verspeist. Bis 2011 waren weite Teile des Nordostens für Ausländer gesperrt, aber selbst das seit langem befriedete Shillong zieht kaum Ausländer an, ganz zu schweigen vom zugegebenermaßen sehr abgelegenen Agartala.

Feste

Lichter und Farben zum Dipawali Hindu-Fest in Kathmandu (Nepal/Kathmandu-Tal)

Diwali-Fest in Kathmandu

Moharam (Moslem-Fest) in Amdavad (Indien/Westliches Nordindien/Gujarat)

Moharam-Fest in Amdavad

Durga Dussehra Karnataka State Festival in Mysore (Indien/Südindien/Karnataka)

Dasara-Festumzug in Mysore

Indische Feste sind meist laut, durch die Menschen­massen ungemein stressig und manchmal ein bißchen rowdyhaft — aber auch enorm impressiv. Sowohl Hindus als auch Buddhisten lieben farbenfrohe, opulente Feste, und in gewissem Ausmaß fbt das auch auf die Moslems ab. Wer länger im Subkontinent umherreist, kommt ganz zwanglos mit einigen davon in Berührung, da sie überall gefeiert werden; andere sind lokale Spezialitäten und erfordern ein bißchen Reiseplanung. Viele Feste spielen sich jedoch vor allem innerhalb der Familie ab, und dann sieht man auf den Straßen gar nicht so viel.

Das beeindruckendste Fest, das ich in Indien gesehen habe, war das Dasara-Fest in Mysore, ein stundenlanger, farbenfroher Umzug. Unvermeidlich ist der jährliche Kontak mit Holi im Frühsommer, bei dem man aber in die Gefahr kommt, mit Farbpulver mißhandeltzu werden. Das Lichterfest Diwali habe ich zweimal erlebt, erst in Kathmandu und später in Mysore; der Charakter hätte nicht unterschedlcher ausfallen können.

Die indischen Moslems feiern etwas weniger exzessiv, aber das Moharam-Fest in Ahmadabad gestaltete sich überraschend bunt und prachtvoll; dieses vornehmlich schiitische Fest führt allerdings immer wieder zu kleineren Gewaltexzessen. Weihnachten habe ich zweimal in Indien verbracht (in Shillong und Kohima), aber abei war wenig Prunk zu sehen.

Perahera (Umzug mit Elefanten) buddhistisches Fest in Lankatilaka nahe Kandy (Sri Lanka/Bergland)

Lankatilaka Perahera nahe Kandy

Indra Jatra Newar-Neujahr Fest in Kathmandu (Nepal/Kathmandu-Tal)

Indra Jatra in Pashupatinath

In Nepal hat jede Ethnie ihren eigenen Kalender, und daher kann man jährlich mehrere Male Neujahr feiern. Das ein­drucks­vollste davon ist das Newari-Fest Indra Jatra, das man natürlich in Kathmandu erleben muß; aber in dieser grandiosen Stadt (erwähnte ich bereits, daß ich sie liebe) gibt es sowieso mindestens einmal im Monat eine größere Festivität.

Das bedeutendste Fest im sri­lankani­schen Jahre­cyclus ist die Esala Perahera in Kandy; dieses Groß­ereignis dauert zwei Wochen und fand auf meiner ganzen Reise nicht seines­gleichen. Etwas weniger pompöse Elefanten-Umzüge werden aber auch an vielen kleineren Orten gefeiert und sind dann völlig untouristisch; ich hatte die Gelegenheit, die kleine aber feine Lankatilaka Perahera zu besuchen.

Märkte

Frauenmarkt Ima Keithel in Imphal (Indien/Östliches Nordindien/Manipur)

Der „Frauenmarkt“ in Imphal

Gemüsemarkt in Jaipur (Indien/Westliches Nordindien/Rajasthan)

Gemüsemarkt in Jaipur

Muslim Bazaar in Amdavad (Gujarat/Indien)

Restaurant im Marktviertel von Amdavad

Devaraja Blumenmarkt in Mysore (Karnataka/Südindien)

Blumenmarkt in Mysore

Märkte sind für mich ein Fixpunkt in jeder Stadt, die ich besuche. Das hat viele Gründe: Dort gibt es eigentlich immer etwas Interessantes zu sehen, meist aus dem kulinarischen Bereich. Mit etwas Glück kann ich mich auch über lokale Rezepte schlau machen oder Namen von Gewürzen in exotischen Sprachen und Schriften recherchieren. Und meist kriegt man auch noch regionale Küche angeboten.

Viele Städte haben ein oder sogar mehrere ausgedehnte Bazar-Viertel, in denen typischerweise die Gewerbe nach Gassen geordnet ihrem Geschäft nachgehen. Solche Marktbezirke sind touristisch meist nicht sonderlich interessant (wer will schon eine Straße voller Kühlschrankverkäufer sehen), aber wer Zeit mitbringt, der findet oft etwas Pittoreskes darin. Nicht selten sind Tempel, Moschenn oder Paläste in diese Marktviertel eingebettet oder liegen anderen Rand, und fast immer gibt es auch schmack­hafte Küche. Städte dieser Art sind unter anderem: In Südindien Mysore und Madurai, in Nordindien Amdavad, Delhi, Varanasi, Guwahati und Imphal. Eine besondere Sehens­würdig­keit ist das Markt­viertel von Jaipur mit seiner Tausend­undeine­nacht-Architektur und seiner rosaroten Farbe.

Unter den nepalischen Marktstädten nimmt natürlich Kathmandu den ersten Rang ein; die ganze Altstadt ist ein einziger Markt voller unglaublicher Sehens­würdig­keiten. Außerhalb des Kathmandu-Tales fällt mir zuallererst das wenig besuchte Dharan ein. In Sri Lanka findet man große Märkte in Colombo und Kandy.

Gemüse- und Lebens­mittel­märkte sind oft zentral an einem schattigen Platz oder in einer Halle unter­gebracht; das Umher­stöbern kann viel Appetit machen. Spitzen­reiter in dieser Hinsicht ist wohl der kräuter­reiche „Frauen­markt“ in Imphal, gefolgt vom brechend vollen tropischen Markt in Kandy. Weitere gute Adressen sind Tezpur, Mandi und Srinagar; Südindien konnte in dieser Hinsicht höchstens mit Mysore punkten.

Küche

Wo ißt man am besten? Überall. Nur meistens nicht dort, wo die Touristen sind. Manchmal aber auch dort, je nachdem.

Indien ist größtenteils sehr, sehr schmackhaft. Innerhalb Indiens gibt es einen ausgeprägten Nord–Süd-Gradienten: Der Norden ist duftig, würzig und schwer; der Süden tropisch, leicht und frisch. Beides schmeckt mir gut, aber unterm Strich gebe ich der südindischen Küche dann doch den Vorzug. Am besten gegessen habe ich in Andhra Pradesh, und am besten dort war es im sonst ziemlich uninteressanten Visakhaptnam, aber das liegt vielleicht auch daran, daß das der erste Ort überhaupt war, an dem ich südindische Küche zu essen bekam.

Zu den besten Nordküchen gehört die muslimische Küche von Srinagar mit ihrer atypischen Fleischlastigkeit; ähnlich gut war es im stark muslimisch geprägten Bhopal, und der ewige Biryani-Preis geht nach Junagadh. Typisch nordindisch und gelegentlich richtig scharf kocht man in Rajasthan, und am besten hat es mir dabei in Jaipur und Bundi geschmeckt. Gute vegetarische Küche gibt es überall im Norden, aber Mandu und Gopalpur werden mir besonders in Erinnerung bleiben, und bei Hülsenfrüchten ist Jammu schwer zu schlagen.

Der Nordosten Indiens hat völlig abweichende Küchen ohne viele indische Merkmale. Ich fand die Khasi-Küche in Shillong am besten, aber auch in Kohima habe ich durchaus gut gegessen. Am eigenwilligsten schmecken die mit Fischaroma durchdrungenen Gerichte der Meitei in Imphal. Da Nordostindien auch die schärfsten Chilies der Welt beherbergt, ist für Feuer immer gesorgt.

In Südindien schmeckt es fast immer; der singuläre Höhepunkt in Visakhaptnam mag Einbildung und Verklärung sein, aber Hyderabad ließ keine Wünsche offen, Mysore war ein Traum, Mamallapuram und Tiruccirāppaḷḷi erfreuten die Geschmackknospen, und erst Kochi!

Wenn es etwas gibt, was noch besser als südindisch schmeckt, dann ist das srilankanisch: Tropisch, kokosnussig, scharf, aromatisch und unglaublich abwechslungsreich. Das beste Essen dort bekam ich in Negombo, Kandy und Ella, aber das ist sicher zum Teil den Zufällen der Restaurantwahl geschuldet.

Nepal ist kulinarisch deutlich weniger interessant. Höhergelegene Himalaya-Orte haben zwar durchaus ihre lokalen Spezialitäten, aber das Angebot bleibt überschaubar; im Tiefland ißt man durchwegs öd. Von jeglicher Kritik auszunehmen ist aber die Newari-Küche von Kathmandu, deren Grandiosität leider so gut wie allen Touristen entgeht: Würzig–scharf, vielfältig und ein ein prachtvolles Beispiel der Fusion von Indisch und Chinesisch. Das ist auch der einzige Ort des Subkontinents, an dem es echte Kneipen als soziale Treffpunkte gibt; Wirtshaushocker sind sonst im ganzen Subkontinent nicht gerne gesehen.

Man kann in Indien aber auch lausig essen, besonders in den Bergen, wo oft außer Dal nicht viel serviert wird; tibetisches Essen jenseits von Momo finde ich auch nicht so fürchterlich prickelnd, obwohl ich in McLeod Ganj ganz gutes bekommen habe. Richtig ärgerlich ist jedoch Gujarat, wo alle guten Curries mit Zucker verseucht sind.

Daß mir in Hampi Touristen-Essen geschmeckt hat, werte ich als einmaligen Ausrutscher; aber in Nepal ging ich öfters mal fremd und genoß in Pokhara koreanisches und in Kathmandau chinesisches Essen. Und wenn mich auch alle Inder dafür hassen, so läßt mir doch die schiere Erinnerung an die Sichuan-Küche im Chengdu Hotel das Wasser im Mund zusammenlaufen. Diesen Laden, mitten in Thamel, dem Tourstenghetto von Kathmandu, und doch von westlichen Reisenden weitgehend unbeachtet, würde ich mir am liebsten als Souvenier mitnehmen.

Indische Süssigkeiten sind mir meistens zu eindimensional und zu süß; die große Ausnahme dazu war in Varanasi. Industrieschokolade ist kakaoarm und grausig süß; aber in den Bergen ganz im Süden habe ich richtig gute hausgemachte Schokolade gefunden, und zwar in Kottagiri und in Kumali, und die vermisse ich leider fürchterlich.

Zu trinken gibt es in Indien weitgehend nichts; Fruchtsaft im Sommer ist das einzige Highlight gegen den Durst, und im Nordwesten kommt noch der gesalzene Limettensaft hinzu. Indischen Chai, Milchtee mit Zucker und Gewürzen, betrachte ich dagegen eher als ein Dessert. Meine Leidenschaft für Riesenmengen ungesüßten Schwarztee sorgt immer wieder für Erheiterung und Verblüffung, und wenn er auch meist brutal gekocht wird, so kriege ich doch manchmal richtig guten mit Gewürzen wie Ingwer oder Pfeffer. Besonders Jaipur bleibt mir da in sehr guter Erinnerung.